2. Tag in Seoul

Montag, 22. Mai
Werde um 9.15 Uhr vom „Tiger“ abgeholt, und zur Konzerthalle gefahren. Die Fahrt dauert 45 Minuten. Es gibt Ampeln, aber es ist für mich keine Struktur in ihrer Nutzung zu erkennen. Manchmal halten die Autos bei „Grün“, manchmal wird bei „Rot“ gefahren. Aber irgendwie scheint es zu funktionieren. Die Leute fahren nicht sehr schnell. Es ist also genug Zeit um zu reagieren. Ich erfahre allerdings später von der Dolmetscherin, dass sie in 12 Jahren Deutschland keinen, aber in den 2 Jahren, die sie wieder in Korea fährt schon 10 Unfälle gehabt hat. Es handelte sich aber nur um kleinere Auffahrunfälle.
Erreichen den Spielort.
Ein überlebensgroßer Joja prangt auf einer Plakatwand.
Ein wunderschöner Konzertsaal mit allem an Technik was das Herz begehrt. Die Kiste mit den Flügelbeinen steht bereit, und sie werden in meinem Beisein montiert. Alles funktioniert einwandfrei.
Auf dem Rückweg werde ich gebeten, in meinem Konzert als Zugabe ein koreanisches Volkslied zu spielen. Ich erfülle diesen Wunsch gern, und übe im Steinway Laden noch etwas auf einem herrlichen Steinway B-Flügel.
Treffe die Familie um in die Stadt zu fahren. Es regnet schon den ganzen Tag in Strömen. Bekommen vom Hotel zwei große Regenschirme, und eine Weg-Beschreibung in die Innenstadt, sowie eine Beschreibung wieder hinaus. Alles in Koreanisch versteht sich. Koreanische Schriftzeichen sind für uns genauso wenig zu entziffern wie chinesische oder japanische.
Keine der Sprachen hat übrigens im Geringsten etwas miteinander zu tun. Koreanisch hat merkwürdigerweise vom Wortstamm her Ähnlichkeit mit dem Türkischen. Das oft gebrauchte „Danke Schön“ heisst „kamshamanida“, und kann man sich am besten merken als bayrisches „Gams hamma nie da“.
Der Taxifahrer fährt uns zum gewünschten Ort.
An einer Ampel fährt ein anderes Auto auf. Es werden ein Lächeln und ein paar Höflichkeitsformeln ausgetauscht. Es scheint wirklich häufiger vorzukommen, und wird anscheinend nicht so ernst genommen.
Stromern ein bisschen durch die Stadt.
Eines fällt auf. Korea ist im Vergleich zu den anderen Städten, die wir bis jetzt gesehen haben verhältnismäßig teuer. Selbst Grundnahrungsmittel sind erheblich teurer als bei uns.
Lustig: an jedem Ladeneingang steht eine Regenschirmverpackungsapparatur. Eine Art Plastiküberzieher. So bleibt das Innere des Ladens trocken.
Essen Pizza in einer liebevoll italienisch eingerichteten Pizzeria.
Auf dem Rückweg winken wir uns Taxi von der Strasse heran. Der Taxifahrer schaut sich unsere koreanische Rückfahrbeschreibung an, und fährt los.
Ich lasse nach einer Weile durchblicken, dass ich diese Gegend noch nie gesehen hätte. Er entgegnet, das läge wohl daran, dass ich aus einer anderen Stadt käme und nie in Seoul war.
Nach etwa 45 Minuten und dem doppelten des Hinfahrpreises lässt er uns irgendwo wieder raus, und sagt wir sollen ein anderes Taxis nehmen. Er wisse zwar wo das Hotel sei, würde es aber im Moment nicht finden. Den Fahrpreis hat er uns erlassen. Komischer Kauz.
Es regnet Bindfäden. Finden kein anderes Taxi. Toiletten weit und breit Fehlanzeige.
Keiner spricht auch nur ein Wort Englisch.
Schaffen es endlich irgendwie zum Hotel.
Sind vom „Tiger“ eingeladen zum typisch koreanischen Essen. Man sitzt auf dem Boden, und es werden viele Kleinigkeiten serviert. Sind nicht so sehr begeistert vom Essen. Das meiste schmeckt fade, oder ist zu scharf. Haben trotzdem viel Spass.



