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Der Letzte Tag in Hong Kong

 

20.5
Nutzen den letzten Tag zu einem Ausflug dicht an die chinesische Grenze. Nach San Kung. In der Nähe gibt es einen sehr abgelegenen Country Park, mit angeschlossenem „Marine Park“. Haben eine Einladung der Ehefrau eines Rotariers, Nicola Newbery, angenommen. Sie hat uns angeboten diesen abgelegenen Ort zu zeigen.
Sie und ihr Ehemann sind englischstämmig, aber schon seit frühen Kindertagen in Hong Kong ansässig. Er ist Pilot bei der hiesigen Fluglinie „Cathay Pacific“ und an diesem Tag auf Reisen.

Der Taxifahrer hat Mühe das Dörfchen in dem sie wohnen zu finden. Er sagt, er habe mal vor Jahren in der Gegend Urlaub gemacht, erinnere sich aber nicht mehr genau daran, wo es liege.
Werden 100 Meter vor dem Ziel am Ende der Strasse abgesetzt und laufen den Rest zu Fuß ins Dorf. Fragen uns bis zum Häuschen der Newberys durch.

Mrs. Newbery ist eine unerschrockene Kämpferin gegen das Böse dieser Welt.
Sie setzt sich unermüdlich gegen den Schmuggel von Drogen, die Dynamit Fischerei, und Umweltverschmutzung sowie für die vom Aussterben bedrohte Tierarten ein.
Das Bewusstsein der Chinesen ist in diesen Dingen noch nicht sehr geschärft. Man kann in China in nahezu jedem Restaurant nach wie vor Haifischflossensuppe, Schildkrötensuppe, Froschschenkel und alles mögliche andere auf dem Artenschutzindex stehende bestellen.
Der Drogenschmuggel ist von den Triaden, der chinesischen Mafia, bestens organisiert. Ihre Beziehungen reichen bis in die obersten Etagen der Regierung und der Polizei.
Die Tatsache, dass die Regierung Hong Kongs nicht gewählt, sondern nur von Peking aus eingesetzt wird, hilft da auch nicht besonders.

In dieser abgelegenen Bucht ist erst kürzlich auf Frau Newbery´s Initiative hin ein Schmugglerring aufgeflogen. Sie hat so lange bei der Polizeiwache angerufen, und sie auf die nächtlichen Aktivitäten aufmerksam gemacht, bis sie nach Wochen genervt jemanden vorbeigeschickt haben, der dann im Dritten Anlauf notgedrungen einen der Fischer mit Drogen festgenommen hat. Zumindest ein Anfang.

Die Polizei selbst ist generell nicht besonders durchschlagskräftig und arbeitet eher zu.
Eine verirrte Terroristenvereinigung hat vor Jahren einmal in Hong Kong Sprengstoffanschläge verübt und störte damit den allgemeinen Frieden und vor allem die Geschäfte der Triaden.
Die Gruppe wurde von der Polizei lokalisiert und die Information unter der Hand an die Triaden weitergegeben. Einen Tag später trieben die Übeltäter mit dem Bauch nach unten im Hafenbecken. Seitdem hat nie wieder jemand eine Bombe in Hong Kong gezündet. Hier wird der Begriff „Exekutive“ wörtlich genommen.

Wir werden sehr freundschaftlich empfangen und bekommen zur Begrüßung eine Tasse Tee.
Danach schauen wir uns in dem niedlichen Örtchen um. Es besteht nur aus einer handvoll Häuschen. Gehen zum Strand. Steuern nach einer Weile das Restaurant an.
Essen das einzige Gericht: „Fried Rice“. Sitzen auf Plastikstühlen unter einem großen Baum.
Ich will bezahlen. Die Einheimischen halten mich zurück mit der Begründung es gäbe drei Preise im Restaurant. Für Einheimische, hier lebende Europäer, und Touristen.

Mit uns am Tisch sitzt Paul. Ein aus Australien stammender Freund des Hauses der vor vielen Jahren hier eingewandert ist.
Er führt eine kleine Tauchschule im Dorf. Eine von ihm in´s Leben gerufene Initiative eröffnet jungendlichen Schülern die Möglichkeit zu Tauchgängen. Er nutzt diese Möglichkeit, um den Kindern auf sehr anschauliche Weise den Zustand der Unterwasserwelt zu demonstrieren. Er betreibt das mit großem Enthusiasmus und Hingabe und die Schüler lieben ihn dafür.
Eine der von ihm betreuten Gruppe hat erst kürzlich etwas geschafft, was erwachsenen Umweltschützern nicht gelungen ist.
Die Schüler haben aus eigenem Antrieb mit Demonstrationen erwirkt, dass der Vergnügungspark Disneyland Hong Kong keine Haifischlossensuppe mehr serviert.
Sämtliche Beschwerden auch an den amerikanischen Mutterkonzern hatten bis dato keinen Erfolg.
Schließlich hat sich der Direktor des Parks in einer Diskussionsrunde mit den Schülern dazu hinreißen lassen, ihnen mit Festnahme zu drohen, wenn sie nicht aufhören würden zu demonstrieren. Ein gefundenes Fressen für die Presse. „Disneyland lässt Kinder festnehmen“, die Überschrift. Der Direktor musste seinen Hut nehmen.
Es gibt kaum einen Furcht erregenderen Gegner, als eine handvoll Jugendliche, die etwas wirklich wollen.

Paul fährt uns ins benachbarte Städtchen. Dort veranschaulicht er uns das Problem an Hand der Aquarien in den chinesischen Restaurants am Hafen. In den Becken tummeln sich die verschiedenartigsten Kreaturen.

Wir lernen von ihm einiges über die dort zum Verzehr gehaltenen Tiere.
Von großen Tintenfischen, Lobster und Thunfischen bis hin zum prähistorischen Schwertschwanz. Ein Krustentier, das schon zu Zeiten der Dinosaurier existiert hat.
Diese Tiere haben ein bläuliches Blut, von ganz primitiver Struktur, das desinfizieren wirkt.
Wir sind von Pauls Engagement sehr beeindruckt.

Hong Kong hat uns allen sehr gefallen.