Jakarta, Hauptstadt Indonesiens

Nach drei bewegenden Klavier-Abenden in Singapore und Kuala Lumpur reise ich ohne meine Familie nach Jakarta. Die Reise führt mich über Singapur (dort ist meine Familie über Nacht geblieben) über den Äquator auf die Südhalbkugel nach Jakarta. Der Flug mit Singapore Airlines ist problemlos verlaufen. Die Stewardessen sind sehr zierliche, anmutige Geschöpfe in einer schicken, sehr Figur betonten Uniform. Meine latschte allerdings ziemlich über den „Grossen Onkel“.
Schon am Flughafen wird auf den ersten Blick klar, wie sehr sich die drei Hauptstädte voneinander unterscheiden.
Im Vergleich zu den anderen beiden Metropolen, die ich in der Gegend bis jetzt gesehen habe, ist hier die Schere zwischen arm und reich am deutlichsten spürbar.
Edle Hochhäuser grenzen direkt an Slum-artige Siedlungen.
Werde von einer bezaubernden jungen Dame (Fey) vom Airport abgeholt, die mir in einwandfreiem Englisch viel Wissenswertes über Jakarta erzählt.
Ihr kürzlich verstorbener Vater war im Übrigen der einzige "Early Jazz Pianist" des Landes.
Wir verstehen uns sofort bestens.
Sie spielt mir stolz seine Ragtime-Aufnahmen auf einem MP3-Player vor.
Fahren durch ein Sumpfgebiet Richtung Innenstadt. Überholt wird auf der Autobahn wo gerade Platz ist. In Deutschland bin ich eher ein schlechter Beifahrer, hier macht mir die offensive Fahrweise seltsamerweise nichts aus. Im allgemeinen Chaos verliert man anscheinend auch die Anhaltspunkte zur Furcht. Ampeln und durchgezogene Linien werden nämlich konsequent ignoriert.
Werde zu einem der besten Hotels am Platze, dem "Four Seasons", gebracht.
Die Sicherheitsvorkehrungen sind wegen der Anschläge der islamischen Fundamentalisten sehr streng. Auf dem Weg in das Hotelgelände wird das Auto mit Spiegeln von unten durchsucht, und ich muss, ähnlich wie bei den Sicherheitskontrollen am Flughafen, alle metallischen Gegenstände ablegen, um durch eine Schleuse in das Innere des Hotels zu gelangen.
Die Organisatoren in Jakarta haben sich im Vorwege des Konzertes eine Menge Mühe gegeben. Der Ballsaal des Luxus-Hotels für 800 Besucher war gebucht und prächtig dekoriert. Ein Blumengebinde mit meinem Namen und der Ankündigung des Konzertes hat uns vor dem Hotel empfangen.
Über der Bühne des Ballsaals prangt ein herrschaftliches Steinway-Logo.
Zwei überdimensionale Leinwände, die das Geschehen bis in die letzten Reihen übertragen sollen, sind installiert worden. Das Videoteam steht mit zwei Kameras parat.
Der fürstliche Vorraum ist gespickt mit Steinway-Flügel- und -Klavier-Exponaten.
Ich werde exzellent versorgt. Das Essen und das Zimmer verdienen 5 Sterne.
Ich werde ausgiebig von den drei größten TV-Anstalten des Landes interviewt.
Einer der Kameramänner wurschtelt immer mit seiner Kamera so rum, kam immer näher, und ging wieder weiter weg. Ich hatte große Mühe stillzuhalten. Man belehrt mich, das sei einer der lokalen Teenie-Sender (wie MTV) deren Stil das eben sei. Noch etwas schwindelig erfahre ich aber, ich sei in Indonesien jetzt ein großer Star.
Konzert ist prima verlaufen. Standing Ovations am Schluss. Ein sehr dankbares Publikum.
Das Englisch der Indonesier ist zwar nicht so gut, wie das der Singapurer. Der Running Gag "Very difficult to play" wird zwar sofort, aber "No other piano player dared to play this piece before", der in Singapur schon von Beginn an für Heiterkeit sorgte, erst beim zweiten Mal begriffen.
Damit habe ich aber schon Erfahrung. Die betagteren deutschen Herrschaften auf dem Kreuzfahrtschiff erging es genauso. Auch ohne Sprachbarriere.
Es wird aber sehr deutlich, dass Musik eine internationale Sprache ist, die von jeder Nation verstanden wird.
Am Ende kam ein offenbar wohlhabender Zuhörer zu mir und drückte mir 20.000.000 Rupien in die Hand (in Worten zwanzig Millionen. Das sind umgerechnet immerhin etwa 2.000 Euro), um mir das Versprechen abzutrotzen, im nächsten Jahr wiederzukommen. Dieses fiel mir in Anbetracht der Umstände recht leicht.
(ich habe dann den Betrag an die Veranstalter weitergegeben).
Einziger Wermutstropfen des Abends: Die pneumatischen Beine sind leider nicht aus dem Zoll gekommen. Ein korrupter Zollbeamter wollte die Dinger selbst bei einem Bestechungs-Betrag von ca. 1.700 Euro nicht freigeben.
Er schien ein klasse Geschäft gewittert zu haben. Ich bin aber sicher, er hatte keinen Schimmer von dem Inhalt, geschweige denn von der Funktion der Ware. Aber alles was der Indonesier nicht kennt, so wird mir gesagt, wird erst einmal zurückgehalten.
Die Indonesier nehmen's gelassen und sagen: "Welcome to Asia!".




